Philosophie/Ethik

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Kollegium

Steffen Schulz-Lorenz*
Lena Eckert
Reinhold Hepperger
Cordula Rickers
Steffen Schulz-Lorenz
Nina Tete

* Vorsitzender der Fachkonferenz

Uns Fachkolleginnen und Fachkollegen ist in Ethik und Philosophie der Prozess des Philosophierens wichtig. Der Philosophie- und Ethikunterricht soll schüler- und problemorientiert sein und den Bezug zu aktuellen Themen im Blick behalten. Wir wollen mit anschaulichen und praxisrelevanten Fragestellungen der Philosophie und Ethik einerseits aus dem Alltag herausführen, zum Staunen und Denken anregen und das eigenständige, strukturierte Urteilen schulen. Andererseits ist es zugleich unser Ziel, unsere Schülerinnen und Schüler für den Alltag „tauglich“ zu machen und die Theorie in die Praxis zu überführen, um so die Relevanz der Ethik und Philosophie für lebenspraktische Fragen aufzuzeigen.

Wir versuchen daher den Ethik- und Philosophieunterricht möglichst „lebendig“ zu gestalten, indem wir beispielsweise außerschulische Kooperationen suchen (u.a. zum Altersheim unserer Nachbarschaft), Experten zu Gastvorträgen einladen, Vorlesungen der Universität besuchen oder philosophische Diskussionsrunden in der Mittagspause organisieren, um menschliche Begegnungen zu initiieren, die diese Wechselwirkung von Theorie und Praxis ermöglichen.
Denn schließlich geht es in Philosophie und Ethik um den Menschen selbst und um die Frage nach einem „guten“ Leben.

Fachinhalt Ethik

Im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung mit Werten und Normen ist Ethik praktische Philosophie.

Worum geht es im Ethikunterricht?
Der Ethik-Unterricht soll in der Schule vor allem einen philosophischen Denkraum bieten, um sich in Fragen des eigenen Lebens und Zusammenlebens zu orientieren.

Anhand ethisch bedeutsamer Themen wie Glück, Freiheit, Solidarität oder Glauben haben Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, über ihr vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Leben nachzudenken. Dabei können sowohl individuelle als auch soziale Kompetenzen gestärkt werden, insbesondere die Fähigkeit, das eigene Leben sowie das gesellschaftliche Miteinander befriedigend und verantwortungsbewusst zu gestalten. Ferner sollen die Schülerinnen und Schüler dazu angeregt und befähigt werden, sich kritisch mit Konventionen auseinanderzusetzen und scheinbare Selbstverständlichkeiten ihres Alltags in Frage zu stellen.

Konkret  bedeutet das: Wenn im Unterricht Themen wie „Freundschaft“, „Familie“ oder „Verantwortung“ bearbeitet werden, dann geht es nicht allein um einen Meinungsaustausch oder gar das Lernen „richtiger Überzeugungen“. Vielmehr beginnt die eigentliche philosophische Arbeit mit einem weitergehenden Verstehen, kritischen Befragen und Begründungen all jener beim Meinungsaustausch aufeinander treffender Urteile und Überzeugungen.
Die Schüler und Schülerinnen erwerben auf diese Art und Weise im Diskurs Urteilskompetenz, wenn sie z.B. Fragen bearbeiten wie „Welche Berechtigung hat denn diese oder jene Überzeugung und welche Beurteilung verdient sie?“ oder wenn sie erörtern, wie die Verschiedenheit – der einzelnen Überzeugungen oder der Lebensformen – aufzufassen ist, ob es hier ein Besser oder Schlechter gibt.

So lernen sie auch zu argumentieren, ein Problem als solches zu erkennen und andere Positionen nachvollziehen und in der Praxis umsetzen zu können.

Dabei geht es darum, was das Thema für mich bedeutet, für die Gesellschaft und in welchem Zusammenhang es mit der Geistesgeschichte steht.

Dass Ethik eine philosophische Disziplin ist, zeigt sich vor allem im Rückgriff auf die Methoden (gedankliche Analyse, Reflexion, Begründung usw.) wie auch in den entsprechenden Haltungen und Einstellungen (geistige Offenheit, Infragestellung, usw.).

Was wird im Fach Ethik beurteilt?
Das Fach Ethik ist ein ordentliches Schulfach der Berliner Schule, das von der 7. bis zur 10. Jahrgangsstufe zweistündig in der Woche unterrichtet wird. Es wird daher selbstverständlich benotet und die Noten sind für die Versetzung relevant. Es ist ein mündliches Fach ohne Klassenarbeiten, aber mit „Tests“, also schriftlichen Lernerfolgskontrollen, Projekten o.ä., die benotet werden.

Selbstverständlich ist hierbei, dass nicht die Gesinnung, Weltanschauung, das religiöse Bekenntnis usw. Gegenstand der Notengebung sind, sondern die Fähigkeiten, unter methodischen Aspekten (Kompetenzen) über Phänomene und Probleme nachzudenken.

 

Fachinhalt Philosophie

Philosophie kann im Abitur als 3. (schriftliches) und 4. (mündliches) Prüfungsfach und als Referenz- oder Beifach für die 5. Prüfungskomponente (die fachübergreifende Präsentationsprüfung) gewählt werden.

Der Philosophieunterricht ist wie folgt strukturiert: Die vier Kurshalbjahre sind je einem philosophischen Themenfeld gewidmet. Dabei werden die Themen stets in Beziehung zur Erfahrungswelt der Lernenden und zu den Herausforderungen der heutigen sowie zukünftigen Gesellschaft gesetzt.
In allen vier Kurshalbjahren steht das Einüben der philosophischen Problemreflexion im Zentrum des Unterrichts. Anhand verschiedener Methoden werden die Themen im Hinblick auf folgende Fragen bearbeitet: Wo liegt eigentlich das philosophische Problem? Welche Positionen gibt es dazu und wie erörtere ich diese? Wie löse ich schließlich das Problem?
Philosophie wird im Abitur gern als 3. (schriftlich) und 4. (mündlich) Prüfungsfach gewählt und als Fach für die 5. Prüfungskomponente, sowohl als Präsentation wie als schriftliche Arbeit (BLL).

1. Kurshalbjahr: Werte und Normen
Mögliche Fragen:
Was sollen wir tun? Warum sollen wir überhaupt moralisch sein? Gibt es verbindliche Regeln für alle? Tragen wir Verantwortung für die Natur? Was ist gut, was ist böse? Was sind die Bedingungen für ein gutes Leben? Ist die Würde des Menschen unantastbar? Ist Foltern in manchen Fällen moralisch legitim? Darf man Leben gegeneinander aufrechnen? Muss man Tiere oder gar Pflanzen moralisch behandeln? Gibt es eine Pflicht zu helfen?

Gelesen werden zum Beispiel:
Textauszüge von Platon, Aristoteles, Epikur, Seneca, Immanuel Kant, Michel de Montaigne, Jeremy Bentham, John Stuart Mill, Hans Jonas, Charles Taylor, Axel Honneth, Peter Singer, Norbert Hoerster, Martha Nussbaum, Jürgen Habermas etc.

2. Kurshalbjahr: Mensch und Gesellschaft
Mögliche Fragen: Was ist der Mensch? Was macht den Menschen zum Menschen? Können wir uns menschliches Leben ohne Gefühle denken? Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Hirnforschung? Kann der Mensch ohne andere existieren? Welche Gesellschaftsordnungen gibt es? Was ist eine gerechte Gesellschaft? Wozu sind Staaten gut? Was ist Macht?

Gelesen werden zum Beispiel:
Textauszüge von Platon, Aristoteles, Thomas Hobbes, Immanuel Kant, Jean-Jacques Rousseau, Arthur Schopenhauer, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Nietzsche, John Rawls, Michel Foucault, Jean-Paul Sartre, Albert Camus, Martin Heidegger, Arnold Gehlen, Helmut Plessner, Peter Singer, Ursula Wolf, Gerhard Roth etc.

3. Kurshalbjahr: Erkenntnis und Wahrheit
Mögliche Fragen:
Existiert eine Wirklichkeit unabhängig von mir? Bin ich, weil ich denke, oder denke ich, weil ich bin? Woher weiß ich, dass ich nicht träume? Woher weiß ich, was wahr und falsch ist? Was bedeutet es, wenn ich sage: „Ich weiß, dass…“? Worin unterscheiden sich „Meinen“, „Glauben“ und „Wissen“? Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? Was gibt es? Was ist Sprache? Welche Rolle spielt Sprache für unsere Erkenntnis?

Gelesen werden zum Beispiel:
Textauszüge von Platon, Aristoteles, René Descartes, John Locke, David Hume, Immanuel Kant, Ludwig Wittgenstein, William James, etc.

4. Kurshalbjahr: Sein und Werden
Mögliche Fragen:
Warum gibt es etwas und nicht nichts? Was gibt es? Was nicht? Gibt es einen Urgrund aller Dinge? Existiert Gott? Kann man Gott beweisen? Ist die Seele unsterblich? Kann man zweimal in denselben Fluss steigen? Hat das Leben einen Sinn? Wie verhält sich die Philosophie zur Religion und umgekehrt? Gibt es in der Geschichte einen Fortschritt hin zum Besseren? Was ist Geschichte?

Gelesen werden zum Beispiel:
Textauszüge von Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin, Anselm von Canterbury, Gottfried Wilhelm Leibniz, René Descartes, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Nietzsche, Arthur Schopenhauer, Thomas Morus, Rudolf Carnap, Jean-Paul Sartre, etc.